Wanderberichte
Im Westen hatte sich eine dunkle Regenfront aufgebaut, als wir uns am frühen Rentnermorgen vor 8:30 Uhr an der Haltestelle der Straßenbahn trafen. 21 Wanderer unter Günter Fraßunkes bewährter Leitung erreichten nach einigen Umsteigestationen vor 10 Uhr den
Bahnhof in Rheinberg im flachen Niederrheingebiet.
Die unten stehende Wanderung wurde bereits am 18.07.2014 durchgeführt. Einen bebilderten Bericht zu der ersten Wanderung kann man auf der Homepage der Gemeinde Broich-Saarn nachlesen:
http://ev-kirche-broich-saarn.de/index.php/rueckblick-anzeigen/items/netzwerk-unterwegs.html
Die Wanderung auf den Spuren des frühen Ruhrbergbaus führt von der ehemaligen Zeche Julius-Philipp nahe der Ruhr-Uni durchs malerische Lottental zur den Resten der Zeche Klosterbusch (Foto am 10.09.: Michael Weller). Den Kemnader See entlang geht’s zur Stiepeler Dorfkirche mit sachkundiger Führung. Das Mittagessen am See mit Ruhrgebiets-Spezialitäten macht die Tagestour zum Erlebnis.
Am 2
8.1.2011 habe ich unter der bewährten Führung von Günter Fraßunke und Gerhard Lantermann mit 14 weiteren Gleichgesinnten an einem Ausflug nach Dortmund teilgenommen. Ziel war die Steinwache Dortmund, das unmittelbar hinter der Hauptbahnhof gelegene, ehemalige Polizeigefängnis aus den 20- er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Von der Gestapo ab 1933 in einigen Trakten zur Folterung und Erpressung von Geständnissen missbraucht, erlangte es als „Hölle Westdeutschlands“ traurige Berühmtheit. Mehr als 60.000 Menschen, überwiegend jüdische Bürger und ausländische Zwangsarbeiter, waren während der Nazizeit hier untergebracht. Viele von ihnen wurden aus der Steinwache in Konzentrationslager verbracht und fanden dort den Tod.
Als eines der ganz wenigen Gebäude der Dortmunder Innenstadt, das die Bombenangriffe fast unbeschadet überstanden hatte, diente es nach dem Krieg verschiedenen Nutzern, ehe in seinen Räumlichkeiten 1992 eine Mahn- und Gedenkstätte mit einer Dauerausstellung eröffnet wurde. Die in den über 50 ehemaligen Zellen präsentierten Fotos, Schriftstücke und Exponate veranschaulichen beeindruckend die Unvorstellbarkeit nationalsozialistischen Terrors. Keiner aus unserer kleinen Gruppe, der nicht betroffen war und seine Empfindungen schon während des Rundgangs und auch noch danach bei einem Kaffee in einem nahegelegenen Bistro im Gespräch zum Ausdruck brachte. Gemeinsam mit vier weiteren Netzwerkern habe ich im Anschluss dann noch drei sehenswerte Kirchen in der Dortmunder Innenstadt aufgesucht und die Virtuosität Jahrhunderte alter Handwerkskunst bestaunt.
Nach einer entspannten Rückfahrt mit der S – Bahn war ich gegen 15 Uhr wieder zu Hause, wo mein kleiner Enkel schon auf seinen Opa wartete. Da hatte mich der Alltag mit all seinen schönen und herzerwärmenden Momenten endgültig wieder.
Text: Günter Tübben
